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Reisetipp Go for Glasgow

Seit PETRA-Autorin Karola Kostede Glasgow besuchte, trägt sie nur noch Schottenrock. Na ja, fast. Aber von der Metropole war sie wirklich mehr als angetan.
Sauchiehall Street
   

Da will ich wieder hin – und ich spare ab sofort jeden Cent. Nicht weil ich meine, dass Schotten das so machen, sondern weil ich mich in eine handgefertigte Tapete namens "Butterflies" verliebte. Aber vielleicht sollte ich von vorne anfangen.

Meine Vorliebe für schottisches Design beginnt an einem mittelkühlen Tag in der Innenstadt von Glasgow, und ich befinde mich in den Brazen Studios,den Räumen der Schmuckdesignerin Sarah Raffel. Sarah führt mich durch den Mix aus Atelier, mietbarer Werkstatt und Laden herum und schwärmt dabei von ihrer Stadt: "Ich habe mein Glasgow so vermisst, als ich vor Kurzem für ein paar Monate in Hongkong war. Der Witz der Leute, die Pubs und die Stimmung sind hier schon besonders", sagt sie. Sarah muss es wissen, sie hat in der etwa 599.000 Einwohner großen Metropole studiert. 2004 eröffnete sie ihren Laden in der Merchant City, samtbeige viktorianische Häuser, in denen einst wohlhabende Tabakhändler zu Hause waren. Bevor ich anfange, ihren mit Designpreisen überhäuften Schmuck aufzukaufen, verlasse ich den Laden lieber und streife durch die Einkaufsstraßen der Innenstadt.

Glasgow zwischen Kommerz und Kultur

Glasgow
Offenbar scheinen die Schotten genauso gern Geld auszugeben wie andere Menschen – und auch für die gleichen Dinge: Der Dessousladen Agent Provocateur und Vivienne Westwood sind hier genauso zu finden wie alle angesagten Label. Ein achtjähriger Junge rockt in der Fußgängerzone mit seiner E-Gitarre. Glasgow ist Unesco-Musikstadt, wobei der Knirps bestimmt gerade weniger von der Unesco träumt als vielmehr davon, einmal so berühmt zu werden wie die Band Franz Ferdinand, die auch von hier stammt. Eine Sache sollte man sich bei seinem ersten Besuch in Glasgow auf keinen Fall entgehen lassen, wie man mir sagte, und das ist die Glasgow School of Art. Charles Rennie Mackintosh, Schottlands bekanntester Jugenstil-Architekt, hat sie gebaut. Sie gilt als sein Meisterwerk – also nichts wie hin, schließlich habe ich eine Verabredung dort. Zwischen amerikanisch anmutenden Häuserblocks gehe ich einen sanften Hügel hinauf, dort oben thront die 1909 fertiggestellte Kunstschule. Von außen ist sie vor allem eines: schlicht rechteckig.

Jugendstil made in Scotland

Studentin Frances Lightbound wartet schon auf mich. Sie zeigt mir jeden Kieselstein und endlich auch das Glanzstück des Hauses: die Bibliothek. Ein Raum mit dunkler Holzvertäfelung, eckigen Lampen und dunklen Stühlen mit den typisch hohen Rückenlehnen. Dazu das einfallende Sonnenlicht, ich bin beeindruckt. Wer hätte es gedacht: Ein Schotte mit witzigem Schnurrbart zeigte dem Rest Europas, dass Jugendstil auch gradlinig sein kann. Mackintosh hat heute viele Fans. "Auch Brad Pitt ließ es sich 2011 nicht nehmen, einen Mackintosh-Stuhl für seine Dreharbeiten von ,World War Z‘ auszuleihen", erzählt Frances. Das würde ich auch gern, begnüge mich aber mit einem Kaufrausch im Museumsshop: Von Postkarten bis zu einem Mini-Eiswagen aus Holz, den man selber zusammenbauen muss, kommt alles mit. Angefertigt wurde alles von Absolventen der Universität. Vielleicht ist der eine oder andere von ihnen bald so berühmt wie Mackintosh oder Timorous Beasties, Großbritanniens erste Adresse in Sachen Textildesign.

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Schlagworte
Lifestyle | Reise | Urlaub
Autor
Karola Kostede