Reisetipps

Reisetipp Mit der Clique auf Föhr

PETRA-Autorin Verena Hagedorn zieht es seit Jahren mit ihren Freunden auf die nordfriesische Insel. Und auch dieses Mal stellt die Truppe fest: Wir sind immer noch föhrliebt!
Föhr Schaf
  

Am Vorabend des 21. Februar sind plötzlich alle hellwach. Auf einen Schlag ist der Winterschlaf vorbei, in den die Insel Föhr jedes Jahr nach Silvester fällt. Da zählen nicht mehr Gefühl und Gemütlichkeit, da zählen harte Fakten – das Biikebrennen steht an. Nun heißt es: Wer hat die längsten Latten, den höchsten Haufen?

Das alljährliche Biikebrennen ist nicht nur ein archaisches Ritual, um die Geister des Winters auszutreiben, sondern gleichzeitig ein inoffizieller Inselwettbewerb um den höchsten Stapel mit Brennmaterial. Und wehe, die Biike im Nachbardorf ist höher – da wird schon mal bei Nacht und Nebel kräftig geklaut. Hilft nur eins: Wache schieben, notfalls die ganze Nacht. Wat mutt, dat mutt.
 Föhr im Winter – dat mutt auch. Haben wir und unsere Freunde beschlossen, vor sieben, acht Jahren zum ersten Mal. Seitdem ist ein Ritual daraus geworden, so selbstverständlich wie die jährliche Holzstapel-Olympiade. Beim ersten Mal war’s ein Trip zu Silvester: Bleigießen am Kaminofen in einem reetgedeckten Häuschen, Fondue in einer offenen Küche mit holländischen Kacheln.

Föhr im Winter ist etwas ganz besonderes

Am nächsten Morgen ließen wir uns am Strand von Utersum die Sonne ins Gesicht scheinen, die Eisschicht auf dem Watt knackte unter unseren Füßen, am Horizont lag die Kette der Halligen wie Schmuck in einem Juwelier-Schaufenster, und wir wussten: Das wird ein gutes Jahr. Seither sind neue Freunde zu unserer Föhrfahrer-Clique dazugekommen, andere fortgeblieben, Paare haben sich getrennt und gefunden, Babys wurden geboren. Was man dort anfangen kann, wenn die Sonne nicht vor neun Uhr morgens aufsteht und nachmittags um drei schon wieder ein Nickerchen macht? Wenn uns jemand diese Frage stellt, bereut er es rasch. Denn geraten wir erst einmal ins Schwärmen, hören wir so schnell nicht mehr auf. Vor allem ist es die winterliche Natur, die Föhr so besonders macht. Die Lichtstimmung am Strand. Die melancholische Ruhe auf den Kirchhöfen, wo verwitterte Grabsteine die Lebensgeschichten von Walfängern und Grönlandfahrern erzählen. Das Puppenstubenlicht aus den Fenstern der efeuberankten Backsteinhäuser.

Szene auf Föhr

Aber Föhr ist nicht nur kuschelig, sondern auch cool. In der Inselhauptstadt Wyk eröffneten in den letzten Jahren einige Restaurants, die sich jederzeit mit denen der schicken Nachbarinsel Sylt messen können – etwa das Alt Wyk, dessen Chefkoch René Dittrich sich seine kulinarischen Lorbeeren zwischen Seoul und St. Moritz verdiente. Lässige Alternative: die Alte Druckerei. Ein Männerpaar betreibt diese Bistro-Bar, mit Snacks, 50 Weinen im offenen Ausschank, Lyrikabenden und Lesungen. Schön Shoppen kann man in Nieblum. Bei Lillebo, nahe der sehenswerten Backsteinkirche, gibt’s skandinavisches Design und Mode, gegenüber im Waffel- und Cappuccinohaus die besten Waffeln mit Eis und roter Grütze zwischen, sagen wir, Eiderstedt und der dänischen Grenze. Und in Alkersum warten Emil Nolde, Edvard Munch & Co auf Kunstkenner: Das neue Museum Kunst der Westküste zeigt nicht nur Seestücke, Schiffe und friesische Bäuerinnen, sondern auch zeitgenössische Videokunst oder Installationen (leider mit Winterpause von Mitte Januar bis Ende Februar).

Am Abend des 21. Februar, wenn das Biikefeuer heruntergebrannt ist (besonders schön in Hedehusum, mit Meerblick!), sind die Föhrer wieder ein Herz und eine Seele. Zum Grünkohlessen im Midlumer Krog in Midlum treffen sich Alkersumer und Oldsumer, Boldixumer und Oevenumer und trinken einen Schnaps darauf, dass sie den Winter wieder einmal erfolgreich vertrieben haben. Schade eigentlich, wo er doch unsere liebste Jahreszeit auf der Insel ist. Es hilft nichts: Dann müssen wir eben auch nächstes Jahr wiederkommen.

Promotion
Anzeige
1 von 2
Schlagworte
Freundschaft | Reise | Urlaub