Reisetipps

Reisetipp Eine Safari durch Botswana

Was macht eine wahre Safari aus? Eine Luxus-Lodge oder das Lagerfeuer vor dem Einmannzelt? PETRA-Autorin Stefanie Lindenberger reiste durch Botswana und kennt die Antwort
Mit dem Jeep geht es in die Wildnis
   

Wenn man über 30 ist, kennt man eine Menge Regeln über das Leben – diese aber höre ich zum ersten Mal: „Wenn ein Löwe kommt, schau ihm fest in die Augen und geh langsam rückwärts. Kommt ein Leopard, tu einfach, als hättest du ihn gar nicht gesehen.“ John grinst, als er das sagt. Er ist unser Ranger. Er hat kein Gewehr dabei, nur einen Stock. Ein blöder Witz fällt mir ein: „Rennst du vor einem wilden Tier davon, musst du nicht der Schnellste sein. Du solltest nur schneller sein als der Langsamste.“ Warum ich jetzt an so etwas denke? Ich stehe mit einer Safarigruppe irgendwo in der Savanne, ganz tief im 22.000 Quadratkilometer großen Okavangodelta, dem grünen Herzen von Botswana. Sieben Stunden sind wir mit Motorbooten hergefahren, dann stiegen wir auf Einbäume um und schipperten noch weiter in das immergrüne, sumpfige, riesige Labyrinth aus Schilf und Seerosen.

Der erste Ausflug in die Wildnis

Jetzt sind wir zu Fuß unterwegs – und niemand weiß, ob sich gerade 20 oder 200 Elefanten in der Gegend befinden. Zäune stehen hier nicht, und darum gibt es auch keine Gatter, die man schließen könnte, wenn ein gefährliches Tier kommt. Der Captain, unser zweiter Begleiter, geht voran. Er schaut auf den Boden, liest Spuren und späht in Richtung Horizont. Wenn er nickt, schleichen wir hinterher. Nach zwei Stunden haben wir zwei Warzenschweine gesehen. Für mich war das Abenteuer genug. So verrückt es klingt: Ich bin erleichtert, als ich wieder im wackligen Einbaum sitze. Der schwimmt zwar auf einem Fluss voller Krokodile und Nilpferde, bringt mich aber zu unserem Zeltplatz zurück. Dort brennt ein Lagerfeuer. Und am Feuer ist es sicher.

Die Giganten hautnah erleben

Als das Camp am Horizont auftaucht, setzt kurz mein Herz aus: Vielleicht 50 Meter von unseren Zelten entfernt stehen vier junge Elefantenbullen im Schatten eines Baums und kratzen sich die Rücken an der schroffen Rinde. Jungs in ihrem Alter – sie sind vielleicht zehn oder zwölf Jahre alt – lassen normalerweise keinen Stein auf dem anderen. Richard, unser Bootsfahrer, erzählt uns, dass sie zehn Minuten zuvor quer über unseren Lagerplatz marschiert sind und nicht einen Klappstuhl umgeschmissen haben. Wie kann das sein? Elefanten trampeln in der Wildnis Bäume nieder, aber sie würden nie auf etwas treten, das sie nicht kennen, lerne ich später. Wir steigen aus den Booten, setzen uns still auf Campingstühle und stehen zwei Stunden nicht wieder auf: Das ist African TV at its best. Es gibt nichts zu sehen außer den Tieren in der Weite – und trotzdem klopft mein Herz, als hätte ich einen Bungeesprung gemacht.

Richard erzählt, was er über die grauen Riesen weiß. Erstens: Ein Elefant sieht nur 50 Meter weit. Zweitens: Die afrikanischen Elefanten haben 2,50 Meter lange Ohren. Bei den Lauschern müsste man meinen, dass sie eine Nadel in den Sumpf fallen hören könnten – stimmt aber nicht. Um richtig gut zu horchen, heben Elefanten einen Fuß. Dadurch verstärkt sich der Bodenkontakt der anderen drei Füße, der Elefant spürt Vibrationen über Kilometer hinweg – so merkt er zum Beispiel, wenn eine Herde von Löwen angegriffen wird oder irgendwo in der Ferne ein paarungsbereites Weibchen herumstapft. Anklopfen für ein Date sozusagen.

Irgendwann drehen die vier Bullen ab und ziehen hinaus ins Delta. Sie werden heute Nachmittag noch 30 Kilometer laufen. Vielleicht aber auch hundert. Sie können das, weil es ihr Land ist. Ich verstehe zum ersten Mal, was Wildnis bedeutet. Wildnis bedeutet, nicht zu wissen, wo sie endet. Die Zeit zu vergessen, weil Uhren nicht wichtig sind. Tiere zu erleben, die gar nicht zu merken scheinen, dass wir uns in ihrer Nähe befinden. Selig krieche ich am Abend in mein Einmannzelt. Es fühlt sich an wie ein Schlafplatz im Himmel.

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