Kultur

Interview Redaktionsgig von "Wilhelm Tell Me"

Henning und Matthias von "Wilhelm Tell Me"

12.04.2013

Pressetermin mal anders. Streaming-Plattform Spotify brachte zum Meeting zwei Mitglieder der Hamburger Newcomer-Rockband "Wilhelm Tell Me" mit. Sänger Henning und Bassist Matthias beglückten erst die Redaktion mit einem ungewohnt gefühlvollen Unplugged-Konzert und sprachen dann im PETRA-Interview über das Erfolgsmodell Musik-Stream und ihre Pläne für die Zukunft. Sie wollen sich die Jungs auch mal anhören? Kein Problem, unterhalb des Interviews finden Sie unsere "Wilhelm Tell Me" Playlist.

Wilhelm Tell Me
Wilhelm Tell Me

Privatkonzert in der Redaktion

PETRA: Wie habt Ihr vier Euch gefunden?

Henning: Uns gibt's seit Anfang 2010. Da bin ich nach Hamburg gekommen und hab Leute zum Musikmachen gesucht. Ich hab einfach eine ganz klassische Annonce aufgegeben. Neben etwa 400 Bewerbungen von 16-jährigen Metal-Gitarristen waren da auch unser Schlagzeuger und unser Bassist dabei. Als wir uns getroffen haben, war relativ schnell klar, dass wir was zusammen machen wollen. Und im Oktober 2010 haben wir dann schon unsere erste Single rausgebracht.

Das ging ja schnell.

Henning: Ja. Wir haben überlegt, zuerst ein Album fertig zu machen. Aber dann dachten wir: Egal, die Kids wollen ein Lied. Egal ob mit Album oder ohne.

Matthias: Dann haben wir den Song an Radio-Stationen geschickt und wurden auch direkt gespielt.

Henning: Ja. Überraschenderweise. Das hatte vorher, mit anderen Bands, noch nie so geklappt.

Matthias: Unser erstes Konzert haben wir in Bamberg gespielt. Und als wir zu unserer damaligen Single "Oh My God" kamen, haben auf einmal alle mitgesungen. Das war ganz schön schräg. Bayern lief damals schon total super. Aber langsam zieht der Norden jetzt nach.

Euer erstes Album erschien 2011 noch auf CD. Wie kamt Ihr danach auf die Idee, Euch jetzt online zu vermarkten?

Henning: Wenn Du als kleine Indie-Band ohne Major-Label unterwegs bist, musst Du natürlich gucken, dass Du irgendwie Aufmerksamkeit erregst. Und Du hast nicht die Marktmacht, um an einem Termin so viel Aufmerksamkeit zu generieren, dass Dein Album gut verkauft wird. Deswegen bringen wir jetzt das ganze Jahr über immer im Abstand von vier bis sechs Wochen Singles raus und gehen bei der Vermarktung auf den einzelnen Song ein. Wenn er tanzbar ist, machen wir zum Beispiel mehr DJ-Promo. Das Interessante für unsere Fans ist dabei natürlich, dass sie hören, wie das Album in Echtzeit entsteht.

Matthias: Wir haben einen Song, der ist vorgestern fertig geworden, und der kommt jetzt im Mai raus. Und der nächste Song ist noch gar nicht geschrieben.

Henning: Das Spannende daran ist, dass man sofort Feedback bekommt und das beeinflusst einen natürlich auch.

Wird es dann am Ende auch ein Album geben?

Matthias: Das hängt dann davon ab, ob es künstlerisch Sinn macht. Aber für uns ist jetzt erstmal diese Reise wichtiger.

Henning: Und kontinuierlich am Start zu sein. Mit den Fans zu reden. Das ist einfach super.

Ihr arbeitet sehr eng mit Spotify zusammen. Eure Songs erscheinen dort früher als auf anderen Plattformen und Ihr werdet dafür von Spotify promotet. Wie kam diese Kooperation zustande?

Matthias: Wir sind unsere eigenen Chefs und haben auch unser eigenes Label gegründet und haben dadurch natürlich auch die Entscheidung über den Vertrieb. Und wir haben einfach gemerkt, dass Streaming ne spannende Sache ist. Da passiert was. Und dann haben wir einfach Spotify angemailt und die haben gesagt: 'Ja super. Normalerweise müssen wir immer den Künstlern zeigen, dass wir keine bösen Menschen sind. Wir finden es toll, dass Ihr mal auf uns zukommt'. Von daher war's einfach gleich ne schöne Kooperation. Wir unterstützen uns einfach gegenseitig. Dabei geht es ja auch nicht um Geld. Das läuft ganz normal über die Vertriebe, wie bei den anderen Künstlern auch.

Henning: Dadurch, dass man bei Spotify auch sehen kann, wer einen wann wo hört, haben wir zum Beispiel gesehen, dass ungefähr 70% der Hörer unserer letzten Single "Kite" sie in den Staaten hören. Und wir haben noch nie in den USA gespielt, wir haben da keine Connections hin, wir haben da keine Promo gemacht

Matthias: Ja, der Chef von Spotify in den USA hat uns einfach gehört, hat gesagt: 'Oh, that's pretty cool' und hat ein paar Ads geschaltet. Und jetzt haben wir als kleine Band, die ihr eigenes Label hat, einen tollen Start in den USA.

Henning: Das ist schon ein tolles Gefühl, wenn man weiß einen hören jetzt wirklich Leute aus den USA oder Australien. Und wenn man sieht, dass eine Single dann auch mehrere tausend Mal am Tag gehört wird. Da hat sich nicht irgendwer die CD gekauft und hört sie sich nicht mehr an, sondern man weiß ok, das hört jemand, es kommt wirklich drauf an, was ich schreibe. Es interessiert wirklich Leute.

Hat man das Gefühl direkter mit seinen Hörern verbunden zu sein?

Henning: Ja. Total.

Dann danke ich für das Konzert und das Gespräch.

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