Kultur

Ernährung Selbstversuch: Vegan leben

Knapp 700.000 Deutsche verzichten bereits auf Fleisch, Milch, Eier & Co. Nur wird das Leben dadurch nicht unnötig kompliziert und fad? PETRA-Autorin und Käseliebhaberin Yvonne Adamek hat es ausprobiert und lebte einen Monat vegan.
Frau kocht vegan
   

Wollen Sie am Kaffeetisch mit Freunden und Verwandten mal so richtig für Gesprächsstoff sorgen? Dann verkünden Sie doch einfach, dass Sie jetzt für einen Monat vegan leben. Zuerst werden alle ungläubig staunend die Augen aufreißen, gefolgt von einem quälend lang gezogenen "Ähhh, warum?". Erst danach spalten sich die Reaktionen in zwei Lager auf: super und bescheuert. Mehr Meinungen gibt es zu diesem Thema nicht. Trotzdem hat jeder etwas dazu zu sagen. Bis auf Oma vielleicht. Die winkt nur vielsagend ab und seufzt: "Na, dann mach ich dir demnächst eben Huhn." Der Erste, der zu meinem PETRA-Experiment nur die Augen verdrehte, war mein Mann: "Aha! Muss ich da auch mitmachen?" Musste er natürlich nicht. Genauso wenig wie unser einjähriger Sohn. Für den gab es weiterhin Fleisch im Brei und Milch zum Frühstück. Ich musste da also alleine durch. Egal, selbst gewähltes Leid. Umso erstaunter war ich, als mein Gatte einen Tag später mit zwei veganen Kochbüchern vor mir stand. "Die Rezepte sahen irgendwie lecker aus. Also, die ohne Artischocken, Zucchini und Auberginen", sagte er Wow!

Veganer aus Überzeugung?

Vielleicht hatte diese zärtliche Geste auch etwas mit den Rechercheergebnissen zu tun, die ich ihm abends auf dem Sofa noch mitgeteilt hatte. Die Produktionsbedingungen bei Eiern, Milch oder sogar Wolle sind nämlich nicht besser als beim Fleisch selbst. Überall lassen die Tiere am Ende auf unschöne Weise ihr bis dahin meist wenig erfreuliches Leben. Männliche Nachfahren von Legehennen landen nach dem Schlüpfen sogar direkt im Tiermehl-Schredder. Finden Sie fies? Ist aber leider Realität. Eine, mit
 der ich mich nie so richtig auseinandersetzen wollte. Bislang waren Veganer für mich nämlich eher nervige Spinner mit schwerem Missionierungsdrang. Das lag vor allem an meinem vegan lebenden Mitbewohner im Studentenwohnheim. Dieser missmutige, abgemagerte Kerl hat einem mit seinen detaillierten Tierausbeutungsstorys so ziemlich jedes Essen vermiest. Sogar gegen "Nimm 2" hatte er was, weil da Milchzucker drin ist. Was für eine Spaßbremse! So wollte ich nie werden. Und dann noch auf Käse verzichten? Niemals!
 Aber nach den letzten Lebensmittelskandalen bin ich immer weniger bereit, ungefragt das zu essen, was man mir in den Supermarktregalen so präsentiert. Und offensichtlich bin ich nicht die Einzige.

Veganer sind keine Spinner mehr

Vegan kochen mit Tofu
Vegane Rezepte
Der Berliner Szenekoch Attila Hildmann zum Beispiel hat mit seinen Kochbüchern "Vegan for Fun" und "Vegan for Fit" Bestseller verfasst und damit die tierlose Kost aus der miefigen Ökoecke geholt. Er hat die Verbissenheit gegen eine neue Leichtigkeit getauscht, die eweist, dass bewusste Ernährung auch Spaß machen kann. Plötzlich sind Veganer nicht mehr nur radikale Spinner vom Wohnheimflur, sondern ganz normale Menschen mit einer interessanten Meinung, die man sich ruhig mal anhören kann.

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Schlagworte
Bio | Ernährung | Gesundheit | Lifestyle | Umwelt
Autor
Yvonne Adamek