Kultur

Lifestyle Mythos Vampire - warum wir sie lieben

Bücher, Filme, TV-Serien - Vampire sind überall. Warum faszinieren sie uns so sehr? Da muss doch mehr dahinter stecken als die vielen sexy Schauspieler...
Vampire in Hollywood
   

Vampire haben Hochkonjunktur. Gerade erst wandelte Johnny Depp in "Dark Shadows" untot über die Kinoleinwand, schon warten Millionen sehnsüchtig auf den letzten Teil der "Twilight"-Reihe. Auch auf dem kleinen Bildschirm kann man sich ihnen kaum entziehen. Ob bei "True Blood" oder den "Vampire Diaries", die Blutsauger sind überall. Woher kommt diese Faszination? Was steckt hinter dem Phänomen? Die einfachste Erklärung: Sexy Darsteller machen natürlich die Figur sexy! Zugegeben, von Brad Pitt und Tom Cruise ("Interview mit einem Vampir", 1994) über die heißen Gestalten der Nacht aus der Kultserie "Buffy" (David Boreanaz und James Marsters, 1997) bis hin zu sexy Lack- und Leder-Trägern wie Kate Beckinsale ("Underworld", 2003) wurde der Pop-Culture Vampirismus stets von hochattraktiven Darstellern bevölkert. Vielleicht steckt aber doch mehr dahinter als gutaussehende Schauspieler? Die könnten schließlich auch in die Rolle von Zombies schlüpfen. Woran liegt es also?

Was bisher als reines "Trekkie"-Phänomen bekannt war, die Hingabe von Fans an ein bestimmtes Medienprodukt oder -Genre, ist nun durch die neue Welle der Vampir-Faszination weiter verbreitet denn je. Vom 8. bis zum 10. Juni 2012 fand dieses Jahr erstmals die "Bloody Con" statt, eine Fan-Convention gänzlich der TV-Serie "Vampire Diaries" verschrieben. Die Stars wurden extra aus den USA eingeflogen, tausende Fans standen Schlange für Fotos, Autogramme und Vorträge.

The Vampire Diaries

Ian Somerhalder (Damon), Nina Dobrev (Elena/Katherine) und Paul Wesley (Stefan) in "The Vampire Diaries"

Die Veranstalter, die auch die jährlich stattfindende "RingCon" organisieren (eine Fan-Convention zu allem, was mit Fantasy zu tun hat, von "Herr der Ringe" bis zu "Game of Thrones"), hatten mit einem solchen Fan-Ansturm nicht gerechnet. Bereits Sonntag Vormittag war die Con ausverkauft; insgesamt waren mehr Fans nach Bonn gereist als für die (immerhin seit bereits zehn Jahren etablierte) RingCon. Erst eine Online-Petition der Fans überzeugte die Veranstalter dazu, in das Vorhaben zu investieren. Die Fans haben Macht, diese entspringt aber erst dem geradezu fanatischen Hype, der um die diversen Vampir-Formate gemacht wird. Warum verlangen die Deutschen nach einer Tagung zu den "Vampire Diaries", nicht aber zu ebenfalls erfolgreichen Serien wie "Gossip Girl" oder einheimischen Erfolgsprodukten wie "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten"? Die haben schließlich auch gutaussehende Darsteller. Stephenie Meyer, Autorin der "Twilight"-Reihe erklärt: Vampire "sind die Popstars im Gruselkabinett: attraktiv, cool und wohlhabend."

Nosferatu

Max Schreck als "Nosferatu" (1922). Der Vampir noch als echtes Monster.

Dies ist allerdings ein Phänomen der Neuzeit. Früher waren Vampire durchaus gefürchtete und auch unansehnliche Gruselgestalten. Noch 1922, als der erste Vampir-Film "Nosferatu" gedreht wurde, war der dargestellte Vampir (gespielt von Max Schreck) ein unattraktives, Ratten-ähnliches Wesen, das mit Glatze und spitzen Ohren deutlich unmenschlich durch die Gegend schlich, steif und fast Mumienartig und vereinsamt in Dunkelheit lebte.
Christopher Lee als Dracula

Christopher Lee als "Dracula" (1958).

Erst später wurde das Image des Vampirs als schicker Adliger etabliert, besonders durch die Dracula-Darstellungen von Bela Lugosi (1931) und Christopher Lee (1958). Nun trägt der Vampir einen schicken Frack und adrett gegelte Haare. Seit der Einführung des Farbfilms gehören auch die roten Augen zum Standard-Repertoire eines anständigen Blutsaugers. Und das ist es wohl, was ihn letztendlich so faszinierend macht. Sein Äußeres zieht uns an, doch sein Wesen kann uns umbringen. Der ultimative Bad Boy.

Vor allem liegt das Erfolgsgeheimnis des Vampirs wohl darin, dass er Fans in allen Altersgruppen hat. Das geht in der Kindheit mit den Hörspielen vom "Kleinen Vampir" los und zieht sich bis ins hohe Erwachsenenalter. Die Blutsauger verlieren nie ihre Faszination, weder über Jahrhunderte hinweg für die Menschheit, noch für jeden einzelnen im Laufe seines Lebens. Für jede Lebensphase bieten sie neue Anknüpfungspunkte. Teens identifizieren sich mit dem Mythos der Verwandlung, Twens und Ü-Dreißiger wünschen sich selbst Macht und Luxus und die Älteren Generationen träumen von Unsterblichkeit.

Promotion
Anzeige
1 von 3
Schlagworte
Film | Lifestyle | TV
Autor
Judith Schröder