Kultur

petras Life - Ausprobiert LOHAS - ein Öko-Selbstversuch

Das Auto verkaufen, den Fernseher abschalten, Bambusunterwäsche tragen: Funktioniert das? PETRA-Mitarbeiterin Heike Predikant folgte zwei Wochen lang ihrem Neujahrsvorsatz, eine moderne Umweltschützerin zu werden. Ein Experiment mit nachhaltigen Folgen.

LOHAS - ein Öko-Selbstversuch
   

Es ist amtlich: Schon morgens beim Frühstück begehe ich die erste Klimasünde. Denn jüngsten Berechnungen zufolge belastet ein Sechserpack Bio-Eier die Atmosphäre mit 1,2 Kilogramm Kohlendioxid. Am liebsten verputze ich immer gleich zwei Eier – doppelt schlimm! Ich gebe zu: Mein schlechtes Gewissen als Klimakillerin wächst seit ein paar Monaten ständig. Zumal Umweltschutz längst zum Dauer-Trend avanciert ist: „Lifestyle of Health and Sustainability“, kurz LOHAS, heißt die neue Ökobewegung, deren Anhänger sich der Gesundheit, Nachhaltigkeit und Glaubwürdigkeit verschrieben haben. Und das auf hohem Niveau, weit entfernt vom Müsli- Image der 80er-Jahre-Ökos.

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Ihr Weg zur LOHAS

1 MODE „Saubere Sachen: Wie man grüne Mode findet und sich vor Öko-Etikettenschwindel schützt“, Ludwig, 256 S., 16,95 Euro. Shops: nudiejeans.com, fairliebt.com 

2 WOHNEN Grüner Hausbau: „Öko- Wohnbuch“, Conran, 272 S., 49,95 Euro. Grüne Möbel und Accessoires z.B. bei zweitsinn.de; grueneerde.de 

3 UNTERHALTUNG Dokumentarfilm „Home“ von Naturfotograf Yann Arthus-Bertrand auf home-2009.com. iPhone-App „A real tree“: Pflegen Sie einen virtuellen Baum, dafür wird ein echter gepflanzt 

4 INTERNET Selbsttest zum Klimaschutz: gruenes-klima.de / der-grune-klima-test.de. Googeln im Energiesparmodus mit blackle.com: Der schwarze Hintergrund verbraucht weniger Strom 

5 LIFESTYLE Mehr Tipps und Adressen zu LOHAS u.a. bei utopia.de und lohas.de.

Ein echter LOHAS-Jünger sieht sich als „moralischen Hedonisten“, der auf nichts verzichten, sondern das Leben genießen will, mit allem Luxus – aber eben nicht auf Kosten der Natur. Zwar trenne ich längst meinen Müll, besitze eine Waschmaschine mit Sparprogramm und benutze Recyclingpapier, trotzdem muss ich mich fragen: Wie umweltbewusst lebe ich wirklich? Glaube ich den einschlägigen Online- Tests, sieht meine persönliche Ökobilanz niederschmetternd aus. Mit einem Anflug von Schuldgefühlen klicke ich mich durch die Selbsttest-Resultate und lese dort Aussagen wie:„Umweltschutz schön und gut. Aber wenn es unbequem wird, ist es um Ihr Engagement schlecht bestellt.“ Um nicht nur mich und mein Image zu retten, sondern auch unseren Planeten, sehe ich nur eine Chance: Auch ich werde eine echte LOHAS –Frau. Ab sofort werde ich anders einkaufen, mich anders ernähren, kleiden und fortbewegen. Und obendrein meine Wohnung in ein Biotop und den inneren Schweinehund in einen Umweltengel verwandeln. 

Meine erste grüne Tat kostet mich künftig 19 Euro im Monat und wird mit einem Ausweis besiegelt: Ab sofort bin ich Mitglied der Handels-Initiative Hamburger Warenwirtschaften (www.warenwirtschaften.de). Im angeschlossenen Bio-Supermarkt bekomme ich alle Produkte zum Selbstkostenpreis. Obst, Gemüse, Fleisch, Milch- und Backwaren: Alles stammt von regionalen Händlern und Höfen, lange Transportwege fallen weg. Kaum habe ich mich angemeldet, breitet sich ein wohliges Zugehörigkeitsgefühl in mir aus, wie damals als Kind, als ich der Gruppe „Robin Hood Niederbayern“ beitrat und noch fest daran glaubte, die Guten würden eines Tages die Welt regieren. 
 

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