Kultur

Was kann ich mir später noch leisten? Tipps zur Altersvorsorge

Die Rente ist sicher – das behauptete der damalige Arbeitsminister Norbert Blüm in den 80er Jahren. Damals steckten die heute 30- bis 40-Jährigenin der Pubertät. Heute, als Erwachsene, wissen sie: Fast nichts ist sicher! Immer weniger Beitragszahler, Banken-Desaster und Börsen-Crash – da machen sich viele Sorgen um ihre Altersvorsorge; 72 Prozent der Deutschen glauben, dass sie ihren Lebensstandard später senken müssen. Dabei hatten wir uns so auf lustige Rentner-Kreuzfahrten gefreut! Auf rosafarbene
Luxus-Törtchen beim Kurkonzert! Und auf eine Perle, die uns im Haushalt unter die Arme greift. Von diesen Träumen müssen Sie sich aber nicht verabschieden. PETRA fragte den Leiter des Informationszentrums „ZUKUNFTklipp + klar“ der deutschen Versicherer, Stephan Gelhausen aus Berlin, wie Sie Ihre Finanzen für später auf stabile Beine stellen.

PETRA: Sogar große Banken brauchen plötzlich Kredite, nichts scheint mehr verlässlich. Was kann ich tun, um im Alter nicht knausern zu müssen?
Gegensteuern kann nur, wer privat vorsorgt. Leider glaubt noch immer etwa jeder vierte Deutsche, eines Tages allein mit der gesetzlichen Rente über die Runden zu kommen. Das ist ein Trugschluss. Jeder braucht auch andere Einkommensquellen. Für die private Vorsorge gibt es viele Möglichkeiten, sei es mit staatlicher Unterstützung, etwa per Riester- oder Rürup-Rente, oder ohne, mit einer rein privaten Versicherung. Ob Krise oder nicht: Grundsätzlich sollten Sie die Bausteine Ihrer Altersvorsorge alle zwei bis drei Jahre überprüfen. Je nachdem, wie sich Ihre persönliche Situation verändert hat, etwa durch einen Wechsel vonder Festanstellung in die Selbstständigkeit, müssen Sie schauen, ob Sie ausreichend versorgt sind – und mit den richtigen Produkten.

„Riester“ und „Rürup“ – worin besteht da eigentlich der Unterschied?

Das Riester-Modell richtet sich in erster Linie an pflichtversicherte, angestellte Menschen sowie Beamte und soll Einbußen bei der gesetzlichen Rente oder der Pension ausgleichen. Dafür können Sie staatliche Zulagen beantragen – etwa für die Kinder, darum ist diese Anlageform für Menschen mit mehreren Kindern lukrativ. Außerdem können Sie die Beiträge bis zu 2.100 Euro im Jahr steuerlich geltend machen – attraktiv für Gutverdiener mit hohem Steuersatz. Wichtig außerdem für Angestellte: Sie können im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung in den Genuss von Betriebsrenten kommen. Vereinfacht gesagt hat jeder Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf betriebliche Altersversorgung im Zuge der Gehaltsumwandlung. Die sogenannte Basis- oder Rürup-Rente wurde geschaffen, damit auch Selbstständige eine staatlich geförderte private Altersvorsorge betreiben können.

Wie steht es um privat abgeschlossene Lebensversicherungen? Manche Experten warnen, die Renditen könnten viel geringer ausfallen als versprochen.
Die klassische private Renten- oder Lebensversicherungist und bleibt ein besonders solides Fundament der persönlichen Altersvorsorge. Sie bietet hohe Sicherheiten, etwa eine garantierte Mindestverzinsung, und Beiträge, die von Beginn an über die gesamte Laufzeit kalkulierbar sind. Bei der Kapital-Lebensversicherung kommt die Absicherung der Angehörigen hinzu, durch eine vom ersten Beitrag an schützende Todesfall-Leistung. Wer keine Angehörigen absichern muss, ist mit der privaten Rentenversicherung besser beraten. Die bringt im Alter lebenslange Zahlungen, deren garantierte Höhe bei Vertragsbeginn feststeht.

Kann ich Aktienfonds nach den Banken- und Börsen-Crashs noch trauen?
Hohen Rendite-Chancen stehen eben hohe Risiken gegenüber. Wenn Sie sich da nicht wirklich trittsicher fühlen oder genug „Spielgeld“ haben, sollten Sie besser die Finger von Finanz-Abenteuern lassen – besonders, wenn es Ihre Rücklagen fürs Alter betrifft.

Und was ist mit dem guten alten Bau- sparvertrag? Macht der fürs Alter Sinn, auch wenn ich kein Haus bauen will?
Wer einen Bausparvertrag abschließt, sollte auch bauen oder modernisieren wollen. Denn die Zinsen, die man in der Sparphase einnimmt, sind vergleichsweise niedrig. Der Clou beim Bausparen sind die sehr günstigen Darlehenszinsen bei Ablauf des Vertrags. Wenn man das Darlehen dann nicht für Immobilien einsetzt, gilt allerdings eine Sperrfrist von sieben Jahren. Erst danach bleiben die Prämien beim Anleger – wenn keine Baufinanzierung zustande kommt.

Am Pranger stehen derzeit auch zweifelhafte Anlageberater. Wo kann ich mich objektiv informieren? 

Um ein gewisses Maß an Eigenverantwortung kommen Sie nicht herum. Staatlich geprüfte Versicherungsberater können weiterhelfen. Die vermitteln keine Verträge, sondern geben gegen Honorar konkrete Hinweise auf eine Vorsorgestrategie, die gut zu Ihnen passt. Anbieterneutrale Tipps und Ratschläge erhalten Sie auch beim Informationszentrum der deutschen Versicherer in Berlin (www.klipp-und-klar.de). Dort können Sie sich telefonisch beraten lassen oder ein persönliches Gespräch vereinbaren. Grundsätzlich gilt: Altersvorsorge ist ein langfristiger Prozess, sehen Sie das eher als Marathon denn als Sprint. Ihre Strategie passt am besten, wenn sie finanziell gut für Sie tragbar ist. Und sie muss Ihrem eigenen Sicherheits bedürfnis oder Ihrer Risikofreude entsprechen. Fakt ist: Je früher und konsequenter Sie die Sache in die Hand nehmen, desto günstiger kommen Sie ans Ziel. Und das Ziel heißt: ein sorgloser Blick in die Zukunft.

Promotion
Anzeige
Schlagworte
Lifestyle | Tipp