Kultur

Ideen, das Leben zu genießen Die beste Zeit ist immer jetzt!

Anti-Sprüche wie „in deinem Alter ist das peinlich“, oder „das kann man sich in diesen Zeiten nicht leisten“ kennt jede. Unsere Mitarbeiterin Christiane Stella Bongertz finde: Wenn nicht jetzt, wann dann? Dazu: 19 Ideen, das Leben zu genießen– vom Nacktbaden unter Sternen bis zur Kuss-Attack.

  

Als meine Mutter 44 war, glaubte sie, sie käme in die Wechseljahre. Doch keine Spur! Das Einzige, was da kam, war ich. Als ihr Gynäkologe ihr eröffnete, sie sei schwanger, geschahen zwei Dinge. Erstens: Sie freute sich. Zweitens: Sie schämte sich. Weil man ihr nun ansehen würde, dass sie „sowas“ noch macht: Sie hatte Sex. In ihrem Alter! Man schrieb zwar die 70er Jahre, die sexuelle Revolution hatte bereits stattgefunden, aber nicht im Kopf (und Bett) meiner Mutter. Der Lebensplan folgte für viele ihrer Generation noch dem Muster: heiraten, Kinder kriegen, dem Mann den Rücken freihalten. Eigene Pläne? Spaß? Nicht so gern gesehen. Garniert wurde das Ganze mit jeder Menge „das gehört sich nicht“ und „man muss sich anpassen.“

Heute ist ja – Gott sei Dank – alles anders. Wir dürfen alles wollen! Noch besser: Wir dürfen es auch machen! Und wir schämen uns schon gar nicht für unseren Spaß im Bett. Den haben wir mit dem Freund – oder auch mit dem Vibrator, den wir uns im Internet bestellt haben. Wir tragen die Haare lang und die Röcke kurz – in einem Alter, in dem frühere Frauen-Generationen sich eine „altersgerechte“ Kurzhaar-Frisur nebst Faltenrock zugelegt haben. Nicht nur Liebe und Look sind freier als je zuvor. Wer will, geht während des Studiums nach Paris oder London. Oder später. Wir bekommen Babys, wenn wir wollen und wann wir wollen – mit Anfang 20, mit Mitte 40, geplant als Single-Mom oder ungeplant mit Partner. Wir dürfen: auswandern, als Managerin arbeiten, uns trennen, neu verlieben, Schafe züchten, mit dem Au-Pair-Boy davon rennen oder mit 38 nochmal studieren. Kurz, die Voraussetzungen, Träume zu leben, sind so gut wie nie. Theoretisch.

Doch bei manchen läuft irgendwas schief. Vor ein paar Jahren war ich auf einem Ehemaligen-Treffen. Da standen meine Ex-Klassenkameraden beim Bier, und ich hörte Sätze wie: „Ob ich noch Fußball spiele? Nää! Das geht heute ja nicht mehr so.“ Auch die Mädels unterhielten sich über „damals“, als sei das bereits fünfzig Jahre her. Wehmütig erzählte eine, wie sie auf einem verregneten Festival zu den Ramones mit zwei Typen im Schlamm synchron geknutscht hatte. Unisono-Kommentar der anderen: „Das waren noch Zeiten!“

So geht es weiter:Ich kenne Frauen, die sind seit Ewigkeiten unglücklich (!) mit Langweilern in der ebenso verkehrsberuhigten wie sprachlosen Zone zusammen.Weil sie mehr Angst vor (scheinbar) unberechenbarer Veränderung als vor dem langsamen Versauern haben. Manche kleben in einem Job als Sachbearbeiterin (Buchstabe A–H), obwohl sie anderes vor hatten: Sängerin werden oder auf Hawaii surfen. „Klappt doch nicht, sowas“, heißt es. Wenn ich frage, woher sie das wissen, wenn sie es nie probiert haben: Schulterzucken. Neuerdings kursiert eine andere Super-Ausrede: die Krise! Da ist es doch sicherer, alles beim Alten zu lassen. Aber ist es das wirklich? Wir könnten auch das Gegenteil daraus lernen: dass Sicherheit eine Illusionist. Und dann ist es doch viel schlauer, gleich das zu machen, was uns glücklich macht. Ist natürlich leichter gesagt als getan, wenn die Angst, aus der Reihe zu tanzen, tief verwurzelt ist.

Manche trauen sich nicht mal, ordentlich zu motzen, wenn ihnen der Hintermann im Supermarkt zum dritten Mal seinen Wagen in die Hacken rammt. Für mich ist das ein Zeichen, dass viele Menschen sich und ihr Glück nicht wichtig genug nehmen. Aber wer soll es sonst tun, wenn nicht wir selbst? Warum schlagen wir nicht selbst viel öfter die Funken, die unser Leben lebenswert machen? Nutzen unser Selbstvertrauen, um mit beherzten Schritten in eine neue Richtung zu gehen? Oft sind es doch die kleinen Gaga-Aktionen, Mutpröbchen und außergewöhnlichen Selbstbelohnungen, die Lust auf größere Verwandlungen machen. Oder einfach nur den Alltag bunt.

Deshalb hier und jetzt und nur in PETRA: ein paar Vorschläge für mentale Lockerungs-Übungen.

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