Kultur

Internet Frauen erobern das Web

Nichts gegen Männer – aber ginge es nur nach ihnen, wäre das Internet ein ödes Lexikon. Frauen bringen Leben und Emotionen ins Netz. Und genau darum gehört ihnen die Web-Welt der Zukunft.
Frau mit Computer kommuniziert mit der Welt
  

Es soll ja böse Stimmen geben, die behaupten, dass Frauen eigentlich nur zwei Dinge sehr gut könnten: shoppen und schwatzen. Nun kann man sich furchtbar über diese Ansicht aufregen, eine neue Sexismus-Debatte anzetteln – oder sich zurücklehnen. Und ganz dezent darauf hinweisen, dass es genau diese zwei weiblichen Interessen sind, die das Internet gerade so erfolgreich machen.

Frauen machen das Internet lebendig

Wie jetzt? Hätte man die Entwicklung ausschließlich Männern überlassen, wäre das Internet heute eine stinklangweilige Enzyklopädie. Voller Informationen, leblos und kalt. Klar gäbe es soziale Netzwerke wie Facebook & Co, aber wie sähen sie aus? Frauen füllen das Netz mit Leben, mit Kommunikation, mit sozialer Kompetenz. Und an dieser Stelle reden wir nicht nur von Fotos, von Lieblingsessen oder schlafenden Mopswelpen. Wir reden von einem echten Wirtschaftsmotor: Wir Frauen sind es, die das Internet zum Einkaufs-Paradies machen. Wirtschaftskrise hin, sinkende Löhne her, hier geht wieder was. Dank uns schreien die eBays, Amazons und Zalandos vor Glück. Die Folge ist, dass sich das Internet immer mehr von einem Informationsmedium in eine soziale Shopping-Plattform verwandelt.

Weibliche Stärken bringen die Entwicklung des Internets voran

Inzwischen kommunizieren und konsumieren Frauen aber nicht mehr nur, sie schaffen auch Neues. Sie verändern das Web in technischer Hinsicht, werden zu Entwicklerinnen und Meinungsführerinnen – in der Gewissheit, dass ihre weiblichen Stärken das Web von morgen voranbringen werden. Nicht so schlecht, oder? Deshalb haben wir kleine und große Erfolgsgeschichten gesammelt. Vielleicht ist es ja sogar ein Ausblick auf eine Welt, die von Frauen bestimmt wird. Obwohl – nein, das möchte man sich dann doch nicht vorstellen. Gleichberechtigung würde ja schon reichen.

Marissa Meyer, Vorstandsvorsitzende von Yahoo

Gut, besser, weiblich

Marissa Mayer
"Eigentlich bin ich schüchtern." Äh, wie bitte? Und das kommt von der Frau, die man als "Wonder Woman der Hightech-Branche" bezeichnet? Ganz so zurückhaltend kann die Dame auch deswegen nicht sein, weil sie bei Google nicht nur die erste Frau war, sondern am Ende die wichtigste. Hochschwanger wurde sie dann vor einem Jahr von der Konkurrenz eingekauft – und mit einem Mal stieg der Aktienkurs des neuen Arbeitgebers um 40 Prozent in die Höhe. Was übrigens die Schüchternheit angeht, meint die 37-Jährige, dass die nur deswegen nicht auffiele, weil sie sich wohlfühle. Und damit wären wir auch schon bei ihrer Botschaft: "Finde etwas, was du liebst. Dann finde das Umfeld, in dem du dich damit gut fühlst."  Damit können wir gut leben. Und Marissa Mayer offenbar auch.

Julia Probst, Bloggerin und Mitglied der Piratenpartei

Die Stimme des Web

Für diese Frau war das Internet eine Revolution. Denn Julia Probst ist gehörlos, und das Netz stellte für sie vor allem eines dar: eine neue Möglichkeit der Kommunikation. Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 las sie den deutschen Spielern die Flüche von den Lippen ab und twitterte sie. Schnell wuchs die Zahl ihrer Fans – bis heute hat Probsts Account "Ein Augenschmaus" mehr als 23.000 "Follower". "Ohne Social Media wäre ich nicht so weit gekommen", sagt die 31-Jährige. Vor etwa einem Jahr wurde Julia Probst Mitglied der Piratenpartei und kämpft unter anderem gegen Diskriminierung – die sie selbst zu spüren bekam. Nach einem Fernsehauftritt beleidigten sie einige Twitter-User wegen ihrer leicht verzerrten Sprechweise, denn Julia Probst verständigt sich nicht mit Gebärden, sondern verbal. Daraufhin überlegte sie kurz, sich komplett aus der Öffentlichkeit zu verabschieden. Nach einer kleinen digitalen Pause aber kam sie zurück. Zum Glück!

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