Kultur

Die Stunde der Nerds Die Stunde der Nerds

Sie haben einen eigenartigen Humor, einen miesen Klamottengeschmack und sind auf Partys meistens peinlich. Trotzdem werden Typen wie Jason Segel, Seth Rogen, Jonah Hill & Co. als Retter des Hollywood-Kinos gefeiert. Mit Recht, finden wir. Ein Plädoyer für Aussenseiter.

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His and Hers - der moderne Partnerlook
Wetten, dass Sie auch mit einem in die Schule gegangen sind? Nennen wir ihn mal Hans-Jörg. Er trug ein quadratisches Kassengestell auf der Nase, bei dem ein Bügel mit Hansaplast festgeklebt war. Eine Ponyfrisur, die aussah wie von Mutti mit der Nagelschere getrimmt. Enge Jeans, während alle anderen mit Schlaghosen herumliefen – oder, je nach Jahrzehnt, genau umgekehrt. Hans-Jörg pflegte einen merkwürdigen Sprachwitz („Schittebön!“) und abstruse Hobbys. Er konnte die kompletten Star-Wars-Dialoge rückwärts sprechen und war der einzige Junge, der die Frage „Soll ich dir mal meine Briefmarkensammlung zeigen?“ tatsächlich ernst meinte. Damals haben wir uns alle lustig über ihn gemacht. Und heute?

Lacht Hans-Jörg über uns, weil er in der Chefetage einer Computerfirma sitzt und in einem Monat mehr Geld verdient als wir in unserem ganzen Leben. Und was noch schlimmer ist: Plötzlich sehen die Jungs in den angesagten Bars von Berlin bis Bayrischzell alle so aus wie Hans-Jörg im Jahr 1985. Riesige Brillengestelle, komischer Haarschnitt, Strickjacke. Uncool ist das neue Cool. Aber das ist längst noch nicht alles.

Ist Geek-chic das neue Sexy?
„Nerd“ wird im Deutschen oft mit „Streber“ übersetzt, aber das trifft es nicht ganz. Tatsächlich sind mit dem Begriff die Außenseiter unserer Gesellschaft gemeint, die Hänger, die Träumer, die schüchternen Spinner. All die Typen, die man seinen Eltern nicht als zukünftigen Schwiegersohn präsentieren möchte. Oder besser gesagt: die man früher nicht mit der Kneifzange angefasst hätte, aber die auf einmal, tja, äh, doch irgendwie ganz niedlich erscheinen. Wie konnte das geschehen?

Auch in Hollywood haben die Nerds still und heimlich das Ruder übernommen. Erinnern Sie sich an die Erfolgskomödie „Beim ersten Mal“? Darin spielte Seth Rogen einen dauerkiffenden Loser in geschmacklosen Motto-T-Shirts, der am Ende die bildhübsche Katherine Heigl abkriegt. Und alle haben sich gefragt: Wieso? Was findet die an dem? Das war vor fünf Jahren. Inzwischen haben wir uns daran gewöhnt, dass der Dicke mit dem Vollbart die Herzen gewinnt. Oder der Brillenträger, der beim Witze-Erzählen immer die Pointen versemmelt. Sie sind eben nicht so gelackt und berechenbar wie die typischen Hollywood-Hotties. Auch im wahren Leben ziehen diese Typen die schönsten Frauen an. Rhys Ifans, der verpeilte Zottel aus „Notting Hill“, war mit Sienna Miller verlobt. Unser deutscher Vorzeige-Nerd Christian Ulmen ist mit Collien Fernandes verheiratet. Und Eva Padberg gestand kürzlich in einem Interview, dass sie heimlich für den „Hangover“-Star Zach Galifianakis schwärme. Tja, für durchtrainierte Schönlinge mit blitzenden Zähnen brechen harte Zeiten an. Das ahnt auch Brad Pitt. Oder warum hat er sonst wohl aufgehört, sich zu rasieren und die Haare zu waschen?

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