Psychologie

Palmblatt-Lesen Ein Besuch bei Deuterin Hildegard Matheika

Es sind jahrtausendealte Palmblätter, und sie scheinen alles zu wissen über die Menschen, die Rat bei ihnen suchen. PETRA-Autorin Caroline DeClair erlebte ein kleines Wahrsage-Wunder.
    

Bei meinem Job glaubt man eigentlich nicht an je den esoterischen Hype. Ich bin Astrologin. Da glaubt man an die Sterne. Und ich bin studierte Psychologin, da glaubt man, dass man die Dinge im Leben selbst in der Hand hat. Gehört hatte ich von den indischen Palmblattbibliotheken, in denen der Lebensweg jedes einzelnen Menschen niedergeschrieben sein soll, schon einiges. Das bringt meine Arbeit als Autorin so mit sich. Und natürlich war ich neugierig, als ich erfuhr, dass es eine der uralten Bibliotheken (diese stammte aus den Jahren 1548 und 1673) nach Europa geschafft hat, denn eigentlich gibt es sie nur in Indien. Im Rahmen einer Messe würde die Frau, in deren Besitz die Palmblätter nun also sind, bald in meiner Nähe sein. Da konnte ich die Dinge selbst in die Hand nehmen.

Ich überzeugte meine Freundin Sophie, und wir wagten gemeinsam den Blick in die Zukunft. Auf der Fahrt waren wir beide ziemlich nervös. Und klar fragten wir uns: Wollen wir überhaupt alles über die Zukunft erfahren? Hm! Letztlich besiegte die Neugier den Knoten im Bauch. Ein freundlicher Herr nahm uns in Empfang und brachte uns zu Hildegard Matheika, der Frau, die die Fähigkeit haben sollte, in den sagenhaften Palmblättern zu lesen. „Sympathisch“ war mein erster Gedanke. Bodenständig und keineswegs wie eine abgedrehte „Guru-Frau“ – das fand ich schon mal vertrauenserweckend. Sie wollte weder meinen Namen noch mein Geburtsdatum wissen und fragte mich nichts. Stattdessen strich sie mit einem goldenen Stab, einem sogenannten Bio-Tensor, über unzählige in Seide gehüllte Rollen. Irgendwann schlug das Stäbchen aus. Und witzigerweise zuckte ich genau in dem Moment zusammen…

Vorsichtig öffnete die Deuterin die Rolle – in der sich weitere schmale und uralt aussehende Blätter befanden. Wieder kam der Stab ins Spiel, und seine Wahl fiel auf eines der Blätter. Darauf standen seltsame Schriftzeichen. Ich wurde noch ein bisschen nervöser. Die Deuterin hingegen strahlte eine heitere Ruhe aus und begann: „Ich werde nun einige biografische Angaben zu Ihrer Person machen, um sicherzugehen, das richtige Blatt zu haben.“ „Na“, dachte ich bei mir: „das werden jetzt irgendwelche Allgemeinplätze.“ Von wegen! Sie gab Details aus meiner Kindheit und Jugend an, die kaum jemand kennt – und sicher auch kaum jemanden interessieren dürften – außer mich. „Das erste Mal verliebt haben Sie sich mit 14 auf einer Ferienreise mit Ihren Eltern in einen 17-jährigen Chorsänger. Über Händchenhalten ging das nicht hinaus, aber vergessen haben Sie den Jungen lange nicht. Um ihm nach den Ferien zu schreiben oder ihn an zurufen, dafür waren Sie allerdings zu zurückhaltend. Eine Tendenz, die Sie auch später beibehalten haben.“ Fassungslos starrte ich sie an. Das alles sollte da so auf „meinem“ Blatt stehen?

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