Kultur

Demonstrationen Ab auf die Straße

Unser kleines Theater soll nicht sterben, und der Kindergarten darf kein Vermögen kosten. Dafür gehen wir wieder demonstrieren: kreativ, aber entschlossen – so wie wir Frauen nun mal sind.
Demonstration
    

Normalerweise lädt Ilka immer zum Italiener ein. Zu ihrem 36. Geburtstag hat sie eine andere Idee. Sie bestellt ihre Freunde zur Menschenkette gegen Atomkraftwerke. Dabei ist Ilka eigentlich kein politischer Mensch. Wie so viele, die in den Achtzigerjahren lieber Bravo-Starschnitte sammelten, während die älteren Geschwister mit „No future“- und „Dann werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann“-Plakaten ihre Jugendzimmerwände tapezierten. Demonstrationen waren etwas für Menschen, die Norwegerpullis kuschelig fanden, auf dem Setzkasten ein Räucherstäbchenarsenal aufbewahrten, Müsli aßen und Vanilletee dazu tranken. Später dann für schwarz Vermummte, die Barrikaden anzündeten und sich mit Polizisten Straßenschlachten lieferten. Wir sahen das im Fernsehen und waren sicher: Für uns ist das nichts.

Und plötzlich stehen wir an einem Samstag irgendwo in Hamburg, Hand in Hand, und finden das gar nicht merkwürdig, sondern aufregend und beruhigend gleichermaßen. Denn um uns herum sind ungefähr 120000 andere. Teenager, Männer, die uns in einer Bar vielleicht angesprochen hätten, Altachtundsechziger – und vor allem: viele Frauen. Etliche haben ihre Kinder mitgebracht. Denn darum geht es vielen hier schließlich: um ihre Zukunft.

Wir sehen die Dinge anders als vor 20 Jahren – weil wir betroffen sind. Weil es um Themen geht, die direkt unseren Alltag betreffen. Und weil Nichtstun noch weniger bringt als Reime brüllend durch die Straßen zu ziehen. Außerdem haben wir gelernt, dass Kämpfen tatsächlich etwas bringt. Um Bio-Lebensmittel etwa. Früher gehörte gesundes Essen zum Alltag einiger weniger Idealisten. Heute führen selbst Billigsupermärkte diese Produkte. Manchmal dauert es eben, bis eine Idee Früchte trägt.

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Schlagworte
Lifestyle | Stars
Autor
Manuela Schmickler