Psychologie

Report Das Kleid meines Leben

Na klar stehen wir auf die Luxusteile von Prada, Chanel oder Louis Vuitton. Doch nicht mal sie würden wir gegen dieses eine tauschen: das Kleid, an dem kein Label, sondern eine unvergessliche Erinnerung hängt. Sieben Frauen über den wahren Wert ihres Lieblingsstücks.
Frau im Brautkleid
   

Fast jede von uns hat es in ihrem Schrank oder zumindest noch im Kopf: dieses eine Kleid. In dem wir uns ganz besonders gut fühlen – sexy, weiblich, stark. Weil Stoff und Schnitt unseren Rundungen schmeicheln, die Farbe gewagt, aber großartig ist oder Erinnerungen daran hängen. Das erste oder auch schlimmste Date, die durchgemachte Nacht am Strand, die legendäre Party oder der Weltklasse-Sex. Auf dem Kleiderbügel gesellt es sich unauffällig zu all den anderen Kleidungsstücken. Heiß geliebt und häufig getragen oder schon halb vergessen und beim letzten Ausmisten versehentlich beinahe in den Altkleidersack befördert. Doch ein mit Emotionen besetztes Stück Stoff schmeißt man nicht so einfach weg oder verkauft es – womöglich für einen Euro – bei Ebay. Auch wenn es vielleicht schon längst nicht mehr passt, aus der Mode gekommen ist oder Gebrauchsspuren aufweist – wir bleiben ihm treu. Manchmal begleitet es uns gar ein Leben lang.

Nina zum Beispiel besitzt noch ihr Lieblingskleid aus Kindertagen, das die Patentante ihrer Zwillingsschwester einst in doppelter Ausführung anfertigte. „Wir trugen die Kleidchen zur Taufe meines Bruders und fanden uns superchic. Meins war weiß mit blauen Enten, das meiner Schwester blau mit weißen Enten“, erinnert sich die 30-Jährige.

Oder wir halten ein Kleid in Ehren, das bereits vor uns auf die Welt kam, weil schon unsere Mutter es trug. Jetzt hängt ihr ehemaliger Stolz in unserem Schrank, und jedes Mal, wenn wir es sehen oder tragen, fühlen wir uns ihr ganz nah. So wie Karen, für die das Erbstück die schönste Erinnerung an ihre verstorbene Mutter ist, oder wie Urte, die nun weiß, dass auch Mamis ein Kleid brauchen, in dem sie sich verführerisch fühlen (dürfen). Das Kleid unseres Lebens kann die unterschiedlichsten Geschichten erzählen – von heiter bis traurig, von romantisch bis aufregend. Sieben stellen wir Ihnen hier vor – samt Trägerin und bestem Stück.

KAREN (39 Jahre, Buchhändlerin)

Die schönste Erinnerung an Mama

„Das Kleid meines Lebens gehörte meiner Mutter, die kurz nach meiner Geburt starb. Es ist außer ihrem Ehering und Fotos das Einzige, was ich von ihr noch besitze. Sie ließ es sich 1965 für ihre Hochzeit schneidern. Aus einem fantastischen türkisgrünen Stoff, plissiert an der Taille und mit Knöpfen aus Swarovski-Kristall. Als mein Vater es mir vor vielen Jahren schenkte, dachte ich, ach, da wirst du eh nie reinpassen. Aber ich nahm mit der Zeit über 20 Kilo ab – drei Kinder halten einen in Bewegung. Mit 54 Kilo war es so weit: Ich konnte das edle Erbstück endlich anprobieren. Und als ich so vorm Spiegel stand, sah ich meine Mutter darin. Das war schon ein sehr bewegender Moment… Zum 40. Hochzeitstag der Schwester meiner Mutter führte ich das Kleid erstmals aus. Meine Tante musterte mich den Abend über verstohlen und fragte schließlich: ‚Das ist doch Mamas Kleid, oder?‘ Wir hatten beide Tränen der Rührung in den Augen. Seither trage ich das Kleid immer wieder zu schönen Gelegenheiten.“

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