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Denksport "So früh wie möglich mit Gehirnjogging beginnen"

Was ist eigentlich Gehirnjogging und wie erziele ich die besten Ergebnisse? Lesen Sie hier unser Experteninterview.
Frau trainiert Gehirn
  

Tilman Lesch ist Neurowissenschaftler am Department of Psychiatry der University of Cambridge. Er forscht am Behavioural and Clinical Neurosciences Institute über menschliche Kognition und impulsives Entscheidungsverhalten. Als wissenschaftlicher Berater unterstützt er Memorado, ein Fitnessstudio für den Kopf.

Was genau ist Gehirnjogging?

Gehirnjogging kann vielseitig definiert werden. Allgemein versteht man darunter das Trainieren der mentalen Leistungsfähigkeit anhand spezieller Übungen. Ziel dabei ist es, das Denken und damit die Prozesse im Gehirn kontinuierlich zu fordern und dadurch die Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Wenn wir regelmäßig joggen gehen und dabei kontinuierlich die zurückgelegte Strecke erhöhen, stärkt sich die Muskulatur in den Beinen und auch unsere Ausdauer verbessert sich. Mit unserem Gehirn ist das ähnlich. Wenn wir es regelmäßig neuen Reizen aussetzen, zum Beispiel ein neues Hobby erlernen oder ein anspruchsvolles Buch lesen, verbessern sich unsere mentalen Fähigkeiten oder sie nehmen langsamer ab als ohne entsprechendes Training. 
 

Was halten Sie von den digitalen Gehirnjogging-Spielen, wie beispielweise Dr. Kawashima? Übertrumpft die Technik Block und Stift?

Das Bewusstsein, dass die Funktionsfähigkeit unseres Gehirns ähnlich unserer Muskulatur von Reizen und Training abhängt, ist der erste Schritt zu einem langen beschwerdefreien Leben. Daher ist fast jede Art von Gehirnjogging-Spiel erst einmal gut. Anschließend sollte das Trainings-Programm auf die individuellen Verbesserungsbereiche (Problem-Zonen) des Trainierenden und auf seine zeitliche Verfügbarkeit zugeschnitten werden. Dabei gibt es zwei Arten von Spielen: Zum einen Spiele, die speziell eine bestimmte Funktion des Denkens trainieren, wie zum Beispiel das räumliche oder verbale Kurzzeitgedächtnis oder die Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit. Zum anderen gibt es Spiele, die gleichzeitig mehrere Fähigkeiten ansprechen, z.B. logisches Denken. Der Vorteil von digitalen Angeboten ist, dass man einfach und bequem Zugriff auf eine Vielzahl an möglichen Spielen und Varianten hat und das Angebot ständig erweitert wird. Hier besteht außerdem die Möglichkeit, Übungen automatisch an individuelle Trainingsziele und den eigenen Fortschritt anzupassen. 
 

Wie kann ich Gehirnjogging in meinen Alltag integrieren, ohne dass ich dazu eine Handy-App, einen Stift oder einen Zettel benötige?

Es ist natürlich möglich, kleine Übungen im Alltag einzubauen – beispielsweise bei einer langen Autofahrt oder im Wartezimmer beim Arzt. Hierfür gibt es auch Möglichkeiten, die ohne Stifte und Smartphones auskommen. Eine effektive Übung ist das Alphabet rückwärts zu sprechen oder auch Telefonnummern auswendig zu lernen. Dies fördert neben der Konzentration vor allem die Leistung des Kurzzeitgedächtnisses.
 

Wann sollte ich mit Gehirnjogging beginnen?

Es ist immer ratsam, so früh wie möglich mit Gehirnjogging anzufangen. Schon im Grundschulalter kann durch gezieltes Training die Konzentrationsfähigkeit und dadurch der Lernerfolg in der Schule verbessert werden. Es ist aber auch nicht verkehrt später als Student, Young Professional oder im Ruhestand mit entsprechenden Übungen zu beginnen. Dabei gilt: wenig ist besser als nichts. Für einen langfristigen Erfolg ist regelmäßiges Training zu empfehlen, um nicht immer wieder von Neuem beginnen zu müssen. Für einen guten Trainingserfolg sollte das Training dabei nicht als Pflicht empfunden werden, sondern auch Spaß machen.
 

Wie wichtig ist ausreichende Bewegung und eine gesunde Ernährung, um sein Denkzentrum langfristig fit zu halten?

Gesunde Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und regelmäßige Bewegung, idealerweise an der frischen Luft, sind ohne Frage Voraussetzung für eine hohe geistige Leistungsfähigkeit. Dies gilt insbesondere im hohen Alter. Eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung versorgt den Körper und damit das Gehirn mit allen nötigen Nährstoffen. Obwohl das Gehirn nur etwa zwei Prozent des Körpergewichtes stellt, ist es für 20-25 Prozent des Energiebedarfs des Körpers verantwortlich. Neben dem positiven Effekt von Sport für unsere Laune, führt regelmäßige Bewegung auch zu einem höheren Sauerstoffgehalt im Blut. Eine ausreichende Versorgung mit Sauerstoff ist eine Voraussetzung für gute mentale Kapazität.
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