Kultur

Genuss Sommelière Marlen Duffy

Törtchen naschen, Milchschaum schlürfen: Manche Berufe schmecken so gut, dass das Gehalt nebensächlich wird. Wie bei dieser Wein-Testerin. Plus: Mini-Guide ins Glück.

Sommelière
   

Frühstückszeit in einem Café in Hamburg-St. Georg – und die Herrin der Weine bestellt einen modernen Klassiker. Nein, keinen violetten Traubensaft, sondern ein trendiges Heißgetränk, einen großen Latte macchiato. Der gelieferte Milchschaum verdient allerdings seinen Namen nicht, und das Gebräu darunter schimmert gräulich. Doch Marlene Duffy steht darüber und gönnt dem verhunzten Gesöff nicht die kleinste sarkastische Bemerkung. Sie schwärmt lieber von ihrem geliebten Edelstoff: „Wein ist unendlich vielfältig. Jeder Jahrgang, jede Rebsorte hat so ihre Eigenheiten.“

Als eine von sehr wenigen Frauen hat sich die 34-Jährige einen Spitzenplatz in der Weinbranche erarbeitet: Von der Industrie- und Handelskammer geprüft, testet und bewertet die ausgebildete Sommelière offiziell Winzer-Erzeugnisse und betreibt seit einem Jahr die Internetseite www.bottleplot.com, einen Videoblog für Weinliebhaber. „Mein Traumjob“, sagt Duffy strahlend. Aber dafür brauchte es viele Zufälle – und eine Reise bis ans andere Ende der Welt. 

Wein zu Ostern

Feinste Himbeertöne schmeckt sie aus einem Spätburgunder heraus, ganze Blumenfelder spürt sie im Riesling auf, und solange keine Erkältung die Geschmacks- und Geruchsnerven trübt, kommt sie auch den Schokoladennoten im Shiraz auf die Spur. Poetisch klingt das für die einen – etwas überkandidelt vielleicht für die anderen. Die meisten stellen sich unter einem „Weinkenner“ doch eher einen älteren Herrn vor, der pikiert die Lippen schürzt. Auch Marlene Duffy schmatzt manchmal bei Weinverkostungen – wirkt aber insgesamt eher so, als arbeite sie in einer hippen Agentur oder Künstleretage: freundlich-freches Lächeln, stylisher Kurzhaarschnitt, Jeans und ein Shirt, auf dem Rock-Dino Iggy Pop schief grinst.

„Ich will den steifen Umgang mit Wein auflockern. Den Staub von den Flaschen pusten“, erklärt sie. Ihr Motto: „Lasst uns den Wein befreien, und lasst ihn atmen!“ Schon immer habe sie Roten, Weißen und Rosé gern getrunken – doch wie bei so vielen Menschen, die ihren Job aus purer Leidenschaft betreiben, wurde erst über Umwege ein Beruf daraus. „Ich habe eine Ausbildung zur TV-Redakteurin gemacht, nebenbei in Restaurants gejobbt“, erzählt Duffy. Nach gescheiterten Versuchen, als Rocksängerin, Schauspielerin oder Moderedakteurin ihr Glück zu finden, beschloss sie im Jahr 2003: Ich gehe, und zwar ganz weit weg. 

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