Abnehmen

Kolumne Essstörungen hat man nur noch im stillen Kämmerchen

Waage

Es wird ja ständig gesagt, dass unser heutiges, sehr schlankes (dürres) Schönheitsideal darauf beruht, dass wir in Zeiten des Überflusses leben. Denn das, was wir nicht haben, wollen wir am meisten. Und momentan haben wir keine Hungersnot. Deswegen wollen wir so aussehen, als stünde uns nur eine halbe Kartoffel am Tag zur Verfügung.

Mehr Schein als Sein

Allerdings hinkt diese These dann, wenn die selbsternannten Skinny-“Schönheiten“ ständig Bilder auf Instagram und Facebook posten, die sie mit Lebensmitteln zeigen, die ihren selbst auferlegten Kalorienbedarf um ein Vielfaches übersteigen. Da wird am Cupcake geleckt und an der Pizza geknabbert. Ob es davon auch etwas in den Magen geschafft hat, bleibt ein Rätsel. Denn auf fast keinem dieser Bilder sieht man eine leere Burgerschachtel oder den abgelutschten Eisstiel mit dem einsamen Schokorest im unteren Drittel. Das Figürchen soll ja keinen Schaden von dem inszenierten Fressgelage nehmen. Warum sagt man nicht, dass man für seine angestrebten Magermaße auf vieles verzichtet und fünf Mal wöchentlich ins Fitnessstudio pilgert.

Frau entspannen
Relax Baby!

Eine Bekannte, selbst gut im Modelgeschäft, erzählte mir aufgrund meines verwunderten Blickes auf ihren Schokoriegel, dass das eine Ausnahme sei. Sie gönne sich schon manchmal etwas Süßes, doch ihre Hauptmahlzeit bestünde aus gekochten Artischocken mit Zitronensaft. Gibt man allerdings vor, dass man die Speisekarten der Fast-Food-Ketten rauf und runter futtern kann ohne auch nur ein My zuzunehmen, fühlt man sich als normales Sanduhrenmädchen machtlos und veräppelt. Seinen Stoffwechsel kann man nicht so mir nichts, dir nichts völlig umkrempeln. Da sind wir leider stark an unsere Gene gebunden. Das Ganze ist doch ein Trend, der einen depressiv machen muss. Nun reichen nicht mal mehr die von den Medien kommunizierten Idealmaße, man soll dabei auch noch essen wie ein Scheunendrescher.

Wer schön sein will muss leiden

Denn auch "Heidi isst sehr viel. Auch Süßigkeiten, Schokolade...“, wie uns Klums nächstes Topmodel bei Lanz erklärt. Am Salatblatt zu kauen ist gar nicht cool. Man soll lässig zwischen Dönerbude und Eisdiele pendeln und seinen flachen Bauch behalten. „Wir wollen das, was wir nicht haben“ stimmt nur noch bedingt. Wir wollen bitte alles, aber nichts auf den Rippen. Niemand findet tagtäglichen Verzicht attraktiv. Aber eine unrealistische Vorstellung des mampfenden Magermodels zu erschaffen,

Franziska Runge
kann nicht der Weg sein. Es wäre doch schon einmal ein Ansatz, wenn es vielfältige Figuren und ein normales Essverhalten auf die Bildfläche schaffen würden. Doch dann beißt wieder eine spindeldürre Moderatorin in einen Muffin und ich sehe diese Verzweiflung in ihren Augen. Warum? Weil sie weiß, dass sie gleich wieder aufs Laufband muss.

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Schlagworte
Diät | Kolumne | Psychologie
Autor
Franziska Runge