Abnehmen

Reisebericht Bootcamp auf Mallorca

Kann eine Woche das Leben verändern? Iris Soltau wollte es wissen und checkte in einem Luxus-Bootcamp auf Mallorca ein. Muskelkater, Schweiß und Tränen inklusive. Aber auch eine ganz neue Erfahrung.
  

Mein Name ist Mario, aber den könnt ihr gleich wieder vergessen. Wir sind nicht hier, um Freunde zu werden.“ Ein durchtrainierter Mann in Armee-Uniform steht breitbeinig vor uns. Wir, drei Frauen um die vierzig, lächeln unsicher. Wir stecken in nagelneuen Sport-Outfits, irgendwo baumelt noch ein vergessenes Preisschild. Vor uns liegen sieben Tage „Private Bootcamp“, ein intensives Ganzkörpertraining, wie es normalerweise von Elitesoldaten durchgeführt wird. Mario taxiert uns durch seine verspiegelte Sonnenbrille, und wir stehen automatisch stramm. Chantal will abnehmen. Nina hasst Sport, muss aber „doch langsam irgendetwas machen“. Und ich? Hoffe auf ein Wiedersehen mit meinen Bauchmuskeln, falls es die überhaupt noch gibt, ich bin mir da nicht so sicher. Und, ganz ehrlich, die alte Finca sah auf den Bildern so einladend aus. Glitzernder Pool, Orangenbäume, Panoramablick in die Berge. Wenn ich geahnt hätte, was auf mich zukommt, hätte ich mich sofort vor das nächste Taxi Richtung Flughafen geworfen.

TAG 1: MERKE: „KANN ICH NICHT“ GIBT’S NICHT

Der Mann, der nicht unser Freund sein will, testet unseren Leistungsstand. Wir springen Seil und hecheln, er zieht eine Augenbraue hoch und notiert etwas auf seinem Klemmbrett. Wahrscheinlich: „Kurz vor klinisch tot“. Dann macht er uns mit den Regeln bekannt. Erstens: Pünktlich sein! Auf jede zu spät gekommene Sekunde steht ein Straf-Liegestütz. Zweitens: Aus jeder Übung das Beste rausholen. Mit „keine Lust“ und „kann ich nicht“ brauchen wir ihm erst gar nicht kommen.

TAG 2: WAS, ZUM TEUFEL, MACHE ICH HIER?

5.55 Uhr, wir treffen uns zum Joggen. Es ist dunkel, Schneeregen fällt und mit unseren Stirnlampen sehen wir aus wie ein Trupp fehlgeleiteter Grubenarbeiter. Nach dem Detox-Frühstück – Porridge mit Früchten und Tee – geht es zum Muskelaufbau (Beine, Po) an die Geräte. Unser Drillmeister führt uns zwei Stunden lang an unsere Schmerzgrenze und noch einen Schritt weiter. Nach einer kurzen Pause startet der Cardio-Teil: laufen über eine schlammige Wiese, mal mit Gewichten, mal ohne. An den Turnschuhen kleben dicke Matschbrocken, meine Socken sind nass und die erste Blase kündigt sich an. Chantal weint, es könnten aber auch Schweißtropfen sein. Sie spricht aus, was ich denke: „Was, zum Teufel, mache ich hier?“ Nachmittags: acht Kilometer Wanderung durch die Berge, dann zwei weitere Stunden Eisen stemmen (Arme, Schultern). Nach dem Abendessen macht Yogalehrer Matteo mit uns Übungen, die regenerierend auf die Muskulatur wirken sollen. Vergebens. Meine Beine zittern so sehr, dass ich nur mit größter Anstrengung die Treppenstufen zu meinem Zimmer schaffe. Das T-Shirt über den Kopf ziehen? Keine Chance. Ich falle ins Bett und schlafe auf der Stelle ein. Es ist 20.45 Uhr.

TAG 3: WOW, WAS MEIN KÖRPER ALLES KANN

„Der Kopf muss nur wollen, der Körper wird folgen“, erklärt Mario seine Philosophie. Ich renne mit einem 8-Kilo- Sandsack auf den Schultern einen Berg hoch und stelle mir vor, wie oben ein paar Freunde auf einer Picknickdecke sitzen und auf mich warten. Es klappt. Ich fliege förmlich an allen anderen vorbei und staune, was mein Körper alles draufhat. Am Abend habe ich bei Camp-Chefin Denise van Erven Dorens einen Termin zur Ernährungsberatung. Sie hat gute und verblüffend einfache Tipps für mich parat. Ich könnte ihr noch weiter zuhören, leider fallen mir die Augen zu.

TAG 4: AM TIEFPUNKT

Nachmittags steht die Übung „Vietnam“ auf dem Programm. Und die geht so: Drei Mittvierzigerinnen lassen sich von einem Mann in Camouflage-Jacke anschreien und werfen sich nacheinander in eine Schlammpfütze. Während das eiskalte Wasser in unsere Unterwäsche zieht, robben wir mit zusammengebissenen Zähnen durch die nasse Erde. Und gleich noch mal. Aufstehen. Laufen. Hinschmeißen. Am Zaun stehen zwei Touristen und hauen sich vor Lachen auf die Oberschenkel. Ich überlege, ob es in meinem Leben einen Moment gab, der noch entwürdigender war. Mir fällt keiner ein.

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