Pflegetipps

Interview mit Dr. med. Julia Welzel Neurodermitis - Was hilft?

Zwischen dreieinhalb und fünf Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Neurodermitis – und seit 1980 hat sich die Zahl der Fälle verdreifacht. Vermutlich begünstigen neue Allergien, allzu große Hygiene und moderne Lebensumstände wie Stress diese Entwicklung. Fest steht, dass Neurodermitis eine Qual bedeutet: Juckreiz, Schlafmangel, schuppige oder nässende Hautreizungen, die Unwissende auch noch für ansteckend halten. Salben mit dem Wirkstoff der Mönchsköpfchen-Pflanze versprechen Linderung – wir fragten dazu Prof. Dr. med. Julia Welzel, Chefärztin der Klinik für Dermatologie und Allergologie in Augsburg.

PETRA: Was raten Sie Patienten, die unter Neurodermitis leiden?

Prof. Julia Welzel: Das Wichtigste: Nicht kratzen, auch wenn es noch so juckt! Und konsequent die Haut pflegen – auch in beschwerde freien Zeiten. Mit unparfümierten, rückfettenden Produkten, die den Eigenschutz der Haut fördern. Viele enthalten beruhigende Wirkstoffe wie Betulin, Harnstoff, Mikrosilber oder Johanniskraut. Was im persönlichen Fall hilft, muss man ausprobieren.

Wie kann man gegensteuern, wenn ein akuter Schub einsetzt?
Viele Patienten benötigen dann entzündungshemmende Kortison-Präparate, die aber wegender Nebenwirkungen nicht längere Zeit angewendet werden sollten. Interessant ist eine Salbe mit Wirkstoffen aus dem Mönchsköpfchen (rezeptfrei in Apotheken erhältlich). Sie hemmt die Ausschüttung von Entzündungs-Botenstoffen und pflegt die Haut. Denn bei Neurodermitis ist das Immunsystem der Betroffenen überaktiv und produziert vermehrt Entzündungs-Botenstoffe. Außerdem ist die natürliche Hautbarriere gestört, was die Haut Reizen gegenüber besonders sensibel macht.

Welche Reize können einen Neurodermitis-Schub auslösen?
Psychische Belastungen, Stress, kratzige Kleidung, Chlorwasser, Nickel, Latex. Auch Allergien spielen eine Rolle. Die Tatsache, dass die Auslöser entweder schwer zu ermitteln oder kaum zu vermeiden sind, führt Betroffene in einen Teufelskreis: Sie fühlen sich ihrer Krankheit ausgeliefert und leben in ständiger Panik vor dem nächsten Schub. Und die Angst verursacht Stress, was wiederum Schübe auslöst.

Sind Salben mit dem Mönchsköpfchen-Wirkstoff eine Alternative zu Kortison?
Nein, aber eine Ergänzung. In einer Studie konntenmit Mönchsköpfchen-Salbe behandelte Patienten sogar im akuten Schub nach kurzer Zeit Kortison und Antiallergika reduzieren oder absetzen. Bei Patienten mit leichteren Beschwerden eignet sich die Salbe als Monotherapie, also als alleiniges Mittel, bei ausgeprägten Ekzemen als „Tandemtherapie“: morgens Kortison anwenden und abends Mönchsköpfchen-Salbe einsetzen.

WEB-TIPP
Riesiges Beratungsangebot, übersichtlich gegliedert: www.neurodermitis.net.

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Schlagworte
Hautpflege | Beauty | Kosmetik
Autor
Uta König