Pflegetipps

Selbstwahrnehmung Warum wir besser aussehen, als wir glauben

Kate Winslet tut es, Ina Müller tut es, Miranda Kerr dafür nicht: Jeden Tag kritteln Frauen an sich herum, hadern mit ihrem Selbst- und Fremdbild. Warum wir es uns so schwer machen – und was man dagegen tun kann.
Schöne Frau
      

Persönlichkeit“, sagte einmal der Modeschöpfer Karl Lagerfeld, „beginnt dort, wo der Vergleich aufhört.“ Ein großartiger Satz. Man möchte ihn von sich geben, wenn man an einem knackig kalten Winterabend vor dem Kamin sitzt. Die Flammen knistern heimelig, Wärme steigt auf, der Lichtschein des Feuers wabert über flauschige Perserteppiche und schlafende Jagdhunde. Man schlägt seine Beine übereinander, bewundert dabei die eigenen Fesseln und Waden, wirft das lockige Haar nach hinten und blickt kurz zufrieden auf seine Fingernägel. Man gibt diesen Satz von sich, so in die Stille hinein – eine Pause entsteht, alle nicken beeindruckt.

Aber mal unter uns: Der Kerl hat gut reden. Denn an einem ganz durchschnittlich miesen Tag stehen wir morgens um halb acht vor dem Spiegel und fragen uns, wer den Hobbit da ins Badezimmer gelassen hat. Und das, obwohl wir gestern noch besser als Supermodel Tatjana Patitz aussahen. Wir blicken an uns herunter, keine gute Idee, hektisch schlägt der Seismograf der Unebenheiten aus. In Sekundenschnelle verwandelt sich der Körper in ein Krisengebiet, über das Kriegsreporterin Antonia Rados sofort berichten müsste. Dabei ist das eigene Aussehen, das wissen wir ganz genau, so veränderlich wie unsere Launen – und hat obskurerweise so rein gar nichts mit der wirklichen Erscheinung zu tun. Bes tes Beispiel: die dünne Kollegin, die nach dem Mittagessen einen halben Zentimeter Fett aus ihrem Waschbrettbauch zieht und „Boah, bin ich fett“ seufzt. Provokation? Nein, subjektive Mopsigkeit, ein Phänomen, das jede Frau kennt – völlig unabhängig von ihrem Gewicht. Gerecht, dass alle darunter leiden? Nein, eher fies.

„Schönheit beglückt nicht den, der sie besitzt, sondern den, der sie lieben und anbeten kann“, das wusste schon Hermann Hesse. Selbst die attraktivste Frau kann sich nicht an ihrem Spiegelbild ergötzen, das tun nur andere. Es ist eine seltsame Sache mit dem schrägen Bild, das wir von uns haben. Ständig verändert es sich, verzieht und verzerrt sich zwischen den Meinungen anderer und dem eigenen Ego. Doch halt: Was genau sind Eigen- und Fremdbild? Wissenschaftsjournalistin und Diplom-Psychologin Marion Sonnenmoser: „Das Eigenoder Selbstbild setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen, aus unseren Einstellungen, Erinnerungen, Körperwahrnehmungen und Erfahrungen, die wir gemacht haben.“ Und das Fremdbild? Sonnenmoser: „Das Fremdbild kommt von außen, besteht aus Bewertungen, die andere uns mitteilen.“ Das Ergebnis: ein buntes Kaleidoskop von Idealen, Wünschen, Neurosen, Stärken, Schwächen, Falten, Fett und Fröhlichkeit, mit dem wir uns herumschlagen – auch Identität genannt.

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Kosmetik | Psychologie