Make-up

Wimperntusche Alles über Mascara

„False Lash Effect Fusion“ von Max Factor

Es ist doch so: Glaubt man den Versprechen der neuesten Mascaras, dann können die aus jeder Maus ein Bambi machen. Sie versprechen Volumen, Länge, Definition, Schwung oder auch alles zusammen, sogar vom „Falsche-Wimpern- Effekt“ ist die Rede. Sprich: Wer heute noch klebt, statt tuscht, ist selber schuld. Und damit denken sich die Beauty-Experten der Konzerne immer neue Mascara-Köpfchen aus: Es gibt Bürsten in Löffel-Spiral-Doppelhelix-Volant-Kugel-Format von fingerdick bis häkelnadeldünn, aus Vollgummi oder Fasern. Wer soll da noch durchsteigen? Wir bringen Klarheit in den Mascara–Dschungel …

DARUM DIE MASCARA-VIELFALT

Erst mal ist es ganz simpel: Eine Bürste soll die Tusche optimal und vor allem gleichmäßig auf den Wimpern verteilen, ohne Brösel, ohne Klümpchen. Das ist die Mindestanforderung im Jahre 2011 und das, was frau heute von jeder Mascara erwarten darf. Aber weil in Deutschland über 500 verschiedene schwarze Mascaras auf dem Markt sind, hat das einzelne Produkt es ziemlich schwer, aus dieser etwas unübersichtlichen Masse hervorzustechen. Es sei denn – Sie ahnen es schon –, es macht mit einer ganz besonderen Bürste auf sich aufmerksam. Grund genug also für alle Beteiligten, immer exotischere Gummi- oder Faserbürsten zu kreieren, denn damit lässt sich viel Geld verdienen: 2009 haben Mascaras allein in Parfümerien für einen Umsatz von fast 73 Mio. Euro gesorgt. Marktforschungen zeigen: Kaum eine Frau geht ohne Wimperntusche aus dem Haus, daran wird so gut wie nicht gespart.

MASCARA IST EINE WISSENSCHAFT FÜR SICH

Bei so einem großen Markt ist es kaum verwunderlich, dass der Aufwand in Sachen Mascara-Entwicklung tatsächlich enorm ist. Bei Max Factor z. B. hat man dafür das ausgeklügelte System „The Virtual Lash“ entwickelt. In deren technischen Zentren in Baltimore und London werden Wimpern auf Konsumentinnen-Fotos so lange digital bearbeitet, bis die Frauen von ihren Augen restlos begeistert sind. Das Labor bekommt dann den Auftrag, ein Produkt zu kreieren, das aus Wunsch Wirklichkeit macht. Bei L´Oréal nutzt man in der Marktforschung inzwischen biometrische Tests, also eine Art Lügendetektor. Probanden werden mit Elektroden verkabelt, bekommen ein Bild zu sehen, und dann wird ihre körperliche Reaktion darauf gemessen, Pupillenreflexe, Hirnströme, Durchblutung etc. Solche Experimente brachten die wissenschaftliche Bestätigung: Abbildungen von Augen mit „Extra-Volume Collagene Mascara“ (XXL-Bürste!) von L’Oréal Paris bekommen 12-mal mehr Aufmerksamkeit als solche ohne Mascara. 12-MAL MEHR … Noch Fragen?

BLICK IN DIE ZUKUNFT

Wie es auf dem Mascara-Markt weitergeht? Insider meinen: Wahrscheinlich nicht mit elektrisch rotierenden Bürsten, wie sie 2008 Estée Lauder das erste Mal präsentierte. Sie sehen die Zukunft eher in der Kombi-Tusche plus Wuchsmittel. Die „Double Extension Renovation Mascara“ von L’Oréal Paris hat ein integriertes Pflegeserum, das vor der 80 Prozent verlängernden Tusche aufgetragen wird und die Wimpern dauerhaft kräftiger machen soll. Und bei Lancôme, Marktführer im Nicht-Massen-Markt, wies man nach, dass Wimpern am Ansatz Stammzellen enthalten. Voilà: „Hypnôse Precious Cells“ ist eine Tusche, die das Wachstum der Wimpern verbessert, indem sie deren Stammzellen regeneriert.

DIE BESTE VON ALLEN WIMPERNTUSCHEN

Und welches ist nun die ultimative Mascara? Ganze Internetforen beschäftigen sich mit dieser Frage und finden keine einstimmige Lösung. Pauschal kann man das wohl nicht sagen, denn – auch darüber gibt es längst Studien – wir alle haben verschiedene Wimpern in Länge, Struktur, Dichte. Was wiederum auch erklärt, warum sich so viele verschiedene Wimperntuschen nebeneinander auf dem Markt halten. Also gilt auch beim Tuschen: Gut ist, was gefällt!


MONSIEUR MASCARA IM INTERVIEW

Interview mit Jean-Louis Gueret, der seit 35 Jahren bei Lancôme arbeitet und seit 1987 Wimperntuschen entwickelt.

Gibt es denn an Mascaras wirklich noch was zu verbessern?
Ja, denn jede einzelne Bürste erfüllt ein Bedürfnis bzw. einen Wunsch. Und es gibt so viele unterschiedliche Wünsche, die sich auch immer wieder verändern.

Testen Sie Ihre Entwicklungen an sich selbst?
In den letzten 25 Jahren habe ich viel Mascara getestet. Ich bin mir sicher, dass ich mehr Wimperntusche getragen habe als die meisten Frauen in ihrem ganzen Leben.

Können Sie anhand der Bürste sehen, was für einen Effekt sie hat?
Nein, nicht wirklich. Der Grund dafür ist, dass der Effekt immer eine Kombination von Bürste und Tusche ist.

Wie geht es weiter auf dem Mascara-Markt, was sind die Trends?
Wir befragen jedes Jahr Tausende von Frauen, um herauszufinden, wie sie sich ihre ideale Mascara vorstellen. Die nächste Mascara wird wahrscheinlich eine ganz traditionelle sein. Ich prophezeie das Comeback der klassischen „Fiber Brush“ – wir wären aber nicht Lancôme, wenn es nicht noch eine Besonderheit gäbe …

Wussten Sie übrigens, dass die Wimperntusche schon über 70 Jahre alt ist?

Promotion
Anzeige
Schlagworte
Beauty | Kosmetik | Make-up